Lechbruck am See bestand früher aus zwei Gemeinden - Lech und Lechprugg. Es ist nie ein Dorf von Ackerbauern gewesen und hat kaum Alm- und Milchwirtschaft betrieben. Schon 1650 sagten die Lechbrucker von sich selbst: "dass sie kain Feldbau nitt haben, sondern sich alle zur suchung ihrer narung für Flossleut gebrauchen lassen müssen."
Der Charakter des Ortes war - wie man aus mannigfachen Zeugnissen ersehen kann - stets der Handelsort gewesen, der dort aus dem Boden wuchs, wo sich zwei wichtige Straßen kreuzten: Die Landstraße aus dem bayerischen Gebiet ins hochstiftlich Augsburgerische und die Wasserstraße, der für die Flöße schiffbare Lech. Und Flößer waren es, die sich hier ansiedelten, hier, wo ein bequemer Ausgangspunkt für ihre Fahrten war, am Austritt des Flusses aus dem eigentlichen Hochland, am Saum der Voralpenlandschaft.
Wir wissen, dass hier im Lande der "Likatier", der "Lechrainer", ein uralter geschichtlicher Boden ist. Hier führte einstmals unter dem Schutz des Auerberg Kastells die Römerstraße Via Claudia Augusta ger Augusta Vindelicorum, gen Augsburg, deren Spuren wir heute noch finden. Wir wissen, dass die das Dorf in weitem Bogen umsäumenden Bauernhöfe um vieles älter sind als das eigentliche Lechbruck am See. (Erste urkundliche Erwähnung 1316). Wir wissen, dass schon seit 1616 die Wallfahrer in großer Zahl zu der auf Echerschwanger Grund erbauten Kapelle "zu Lech" zogen. 1720 wurde eine neue Kirche erbaut, die das "wilde fuir" dann 1785 zerstörte. Gleich darauf wurde die jetzige stilreine Empirekirche von Meister Johann Anton Geisenhof aus Pforten erbaut.
Doch von dem, was das Wesen und die Eigenart dieses Dorfes ausmacht, was seine Geschichte in erster Linie bestimmt, erfahren wir sehr wenig. Denn die alten Flößermeister- und knechte haben nichts aufgeschrieben. Sie haben für dem Tag geschafft und nicht für die Ferne Zukunft; sie haben erzählt, was zu erzählen war und haben manches nicht des Erzählens wert gefunden, was wir jetzt gerne wüssten. Wenn die Alten geschrieben hätten, dann könnten wir sie begleiten, wochen- und monatelang, auf Lech und Donau, an Dörfern und Städten, an Plätzen, an Burgen und Domen vorbei, über Klippen und Strudel, durch Wälder und Ebenen, hinunter bis zur Kaiserstadt Wien, bis Pest, ja bis Belgrad.
Lechbruck am See ist heute ein sehr lebendiges Dorf mit Handel, Handwerk, porduzierendem Gewerbe und Tourismus. Den reißenden Lech hat die Technik gebändigt und für den Wassersportler und den interessierten Betrachter herrliche Seen geschaffen. An der Lechbrücke aber sehen wir den Lech noch in seinem natürlichen Flußbett und am Lechufer findet man nach wie vor noch verträumte Plätze und spürt den Hauch der Vergangenheit.

Alphornbläser auf einem traditionellem Floß. Um an die lange Tradition der Lechflößer, die die Geschichte Lechbrucks über Jahrhunderte prägte, zu erinnern, wurde ein Originalfloß nach altem Bauplänen nachgebaut. Es liegt heute im Lechpark beim jetzingen Bootsverleih. Hier findet auch regelmäßig das beliebte Alphornblasen auf dem Floß statt.